Die 5 Schritte zur 100 %-Versorgung mit Erneuerbaren Energien

100 %-Versorgung mit Erneuerbaren EnergienHeute ist es wissenschaftlicher Konsens, dass der Klimawandel real ist und der Mensch seit der Industrialisierung entscheidenden Einfluss darauf nimmt. 2014 war das wärmste Jahr seit der Wetteraufzeichnung und die CO2-Konzentration der Atmosphäre ist die höchste seit 800.000 Jahren. Heute brauchen wir umgerechnet 1,5 Planeten Erde, um unseren jährlichen Ressourcenverbrauch zu decken. Dabei hat insbesondere der Energiesektor durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe erheblich zur globalen Erderwärmung und damit zum Klimawandel beigetragen.
Im aktuellen Welt-Energiebericht der Internationalen Energieagentur (IEA) wird 2020 als Scheitelpunkt der CO2-Emissionen genannt. Um das zwei-Grad Ziel noch zu erreichen, muss ab spätestens 2020 der weltweite Ausstoß von CO2-Emissionen kontinuierlich gesenkt werden. Ausgehend vom Bericht des Weltklimarates 2014 bedeutet das, dass ein Drittel aller geschätzten Ölreserven, die Hälfte der Gasvorkommen und 80 % der Kohlevorräte im Boden bleiben müssen, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen.

 

Der Transformationsprozess zur 100 %-Versorgung mit Erneuerbaren Energien

Die von der Kohle geprägte Energiewirtschaft in Deutschland ist demnach nicht zukunftsfähig. Will der Mensch dauerhaft auf der Erde leben, müssen die Grenzen der natürlichen Tragfähigkeit eingehalten werden. Aus heutiger Sicht ist eine komplette Ausrichtung des Energiesektors auf Erneuerbaren Energien die einzige nachhaltige Alternative, um das Zwei-Grad-Ziel noch einzuhalten. Aber wie bekommen wir die 100 %-Versorgung hin? Und was muss auf dem Weg dahin beachtet werden?
Im Folgenden werden die 5 Schritte beschrieben, die für den Transformationsprozess umgesetzt werden sollten.

 

Schritt 1 – Starke Bündnisse der Pro-Akteure

In unserer pluralistischen Gesellschaft gibt es keine Gruppe von Akteuren, die alle Macht auf sich vereint. Um die Akteure unserer Gesellschaft hinsichtlich ihres Einfluss zu unterscheiden, teilen wir sie in zwei Akteursgruppen: Die direkten- und die indirekten Akteure.
Die direkten Akteure befassen sich unmittelbar mit der Umsetzung und Überprüfung von Gesetzen und Rechtsnormen. Sie haben einen direkten Einfluss auf die Gesetzes- und Rechtslage. Hierzu zählen der Bundestag, der Bundesrat, die EU-Institutionen usw.
Die indirekten Akteure verfügen über keine Gesetzgebungskompetenzen. Allerdings können sie Einfluss auf die direkten Akteure nehmen und sie zu bestimmten Handlungen bringen. Zu den direkten Akteuren gehören beispielsweise Bürgerbewegungen, Lobbyisten und Verbraucher.
Für das Erreichen einer 100 %-Versorgung mit Erneuerbaren Energien bedarf es starker Bündnisse der Pro-Akteure beider Gruppen, die den Transformationsprozess gemeinsam voran treiben. Denn nur wenn direkte und indirekte Akteure gemeinsam für eine nachhaltige Energieversorgung eintreten und die breite Öffentlichkeit über Chance und Risiken der Energieversorgung aufklärt, ist die 100 %-Versorgung in absehbarer Zeit realisierbar.

 

Schritt 2 – Ökologische Leitplanken

Ein großer Teil der Bevölkerung in Deutschland wünscht sich eine nachhaltigere Wirtschaft. Das geht aus der Umweltbewussteinsstudie des Umweltbundesamts 2014 hervor. Dabei ist mehr Zielstrebigkeit der Politik eine zentrale Forderung der Befragten.

Zur Förderung einer nachhaltigen Energieversorgung stehen der Politik etliche politisch-rechtliche Instrumente zur Verfügung. Allerdings werden diese nicht oder nur inkonsequent umgesetzt.
Ein Beispiel für die Wirksamkeit politscher Instrumente ist das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Mit Hilfe dieses umweltökonomischen Instruments ist Deutschland 2014 das Land mit der größten installierten PV Leistung weltweit ( 38,23 GW) und konnte im selben Jahr 27,8 % des eigenen Strombedarfs mit Erneuerbaren Energien decken.
Für die Realisation einer 100 %-Versorgung mit Erneuerbaren Energien ist eine konsequente Umsetzung weiterer ökologischer Leitplanken unverzichtbar. Durch ein starkes Bündnis der Pro-Akteure können diese zielorientiert umgesetzt werden.

 

Schritt 3 – Einhaltung des Nachhaltigkeitsparadigmas

Die Übernutzung der globalen Ressourcen ist nicht zukunftsfähig. Trotzdem führen unserer heutigen Marktmechanismen zu Raubbau, Umweltverschmutzung und zur Klimaerwärmung.
Eine 100 %-Versorgung mit Erneuerbaren Energien ist nur dann zielführend, wenn das Nachhaltigkeitsparadigma eingehalten wird. Es besagt, dass eine wirtschaftliche Entwicklung nur in den Grenzen der natürlichen Tragfähigkeit zukunftsfähig ist. Nicht zukunftsfähige Produkte, Verfahren etc. werden durch nachhaltige ersetzt, was zu einem nachhaltigen Umbau der Volkswirtschaften und einer stetigen Senkung des Ressourcenverbrauchs führt.

 

Schritt 4 – Ausschöpfung der Potenziale der Strategiepfade

Für die Umsetzung einer 100 %-Versorgung mit Erneuerbaren Energien ist die konsequente Umsetzung der Effizienz-, Konsistenz- und Suffizienzstrategie notwendig. Die drei Strategiepfade ergänzen sich bei der Erreichung des 100 %-Ziels.

Die drei Strategiepfade im Überblick:

Effizienzstrategie:
Die Effizienzstrategie hat sich als wesentlicher Strategiepfad einer nachhaltigen Energiepolitik herausgestellt. Durch die Weiterentwicklung vorhandener Technik kommt es zu mehr (Energie-)Effizienz beim Gebrauch. Allerdings hat die Energieeffizienz ihre (technischen) Grenzen. Zudem begrenzt der „Rebound Effekt“ die Wirksamkeit der Effizienzstrategie.

Konsistenzstrategie:
Im Zuge der Konsistenzstrategie werden neue, nachhaltige Techniken und Verfahren entwickelt. Diese lösen die nicht zukunftsfähigen, veralteten Techniken und Verfahren mittel- bis langfristig ab.

Suffizienzstrategie:
Die Suffizienzstrategie setzt auf neue Lebensstile und Strukturveränderung in Gesellschaft und Wirtschaft. Das Hinterfragen des eigenen Konsums, die Förderung regionaler Produkte und die „Sharing Economy“ sind Formen der Suffizienzstrategie.

 

Schritt 5 – Der Umbau der Energiewirtschaft, sowie ein konsequenter Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Infrastruktur

War der politische und gesellschaftliche Prozess bis hierhin erfolgreich, geht es an die Umsetzung des Energiekonzepts. Die notwendigen Techniken hin zu einer 100 %-Versorgung mit Erneuerbaren Energien stehen schon heute bereit. Hierfür muss das Energiesystem so umgebaut werden, dass es sich den Erneuerbaren Energien flexibel anpasst. Der Umsetzungsprozess umfasst folgende fünf Bausteine:

– Umbau der Energieversorgung auf Strom
– Bau flexibler Kraftwerke
– Einführung von Verbrauchsmanagement
– Ausbau nationaler & und internationaler Netze
– Bau von Speichern

 

Die 100%-Versorgung mit Erneuerbaren Energien als Alternative zum „weiter wie bisher“ ist in den beschriebenen 5 Schritten realisierbar. Ein immer noch mögliches Scheitern der Energiewende wäre heute nicht den Energietechniken zuzuschreiben, sondern dem Politikversagen von der Globalen- bis hin zur Länderebene.

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