Wieso CSR nicht gleich CSR ist

CSR by Scott LewisDie Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung ist für viele Unternehmen bereits fester Bestandteil ihrer Unternehmensführung. Verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln gewinnt zur Erzielung eines dauerhaften Unternehmenserfolgs und für die Positionierung im Wettbewerb mehr und mehr an Bedeutung. Immer häufiger beurteilen Investoren, Mitarbeiter, Verbraucher und andere Stakeholder Unternehmen danach, ob sie ihrer ökonomischen, ökologischen und sozialen Verantwortung gerecht werden. Zudem spielt der eigene Anspruch, zukunftsfähig zu wirtschaften, für viele Unternehmen eine Rolle. So geben drei Viertel der Befragten Führungskräfte im Rahmen einer TNS Emnid Studie (2015) an, dass gesellschaftliches Engagement einen hohen Stellenwert in ihrem Unternehmen habe.

 

Was wird unter CSR verstanden?

Als übergeordneter Begriff für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln hat sich Corporate Social Responsibility (CSR) weitestgehend durchgesetzt. Allerdings lassen sich bisher weder eine allgemein gültige Definition des Begriffs, noch ein universelles Konzept von CSR in der Literatur finden. Das Konzept Corporate Social Responsibility ist bis heute unpräzise, was falsche Erwartungen und damit Enttäuschungen, sowohl auf Seiten der Unternehmen, die CSR implementieren, als auch in der Zivilgesellschaft, hervorruft.

 

Die Vielfältigkeit der Auslegung des CSR-Begriffs hat unterschiedliche Ursachen. Unter anderem hat die historische Entwicklung des Begriffs dazu geführt, dass im anglo-amerikanischen Raum lange Zeit andere Dinge unter CSR verstanden wurden als in Europa. So werden in den USA und Großbritannien seit mehreren Jahrzehnten unter CSR in der Regel Aktivitäten verstanden, die man hierzulande als bürgerschaftliches Engagement bezeichnet. Eine Annäherung der historisch unterschiedlich gewachsenen Auffassungen über CSR findet erst seit einigen Jahren statt.

Die Vielzahl an Definitionen und Interpretationen von CSR legt zudem nahe, das es sich bei CSR um einen „Essentially Contested Concept“ (im Wesentlichen umstrittenen Begriff) nach dem Philosophen Walter B. Gallie handelt. Gallie (1956) definiert es als ein Konzept, das scheinbar geteilt, aber dennoch von verschiedenen Individuen in sehr unterschiedlichen Weisen ausgelegt wird, sodass eine Einigung über seine genaue Bedeutung nicht zu erreichen ist.

Ein weiterer Grund für die bestehende Vielfalt an CSR-Definitionen ist das Bestreben von Wissenschaftlern, Unternehmensberatungen und anderen Verfassern, mit eigenen Definitionen ihre Leser bzw. ihre Kunden zu beeindrucken, zum Verständnis beizutragen oder Einfluss auf die Diskussion um CSR zu nehmen. Dies ist nach Loew und Rohde (2013) bei vergleichsweise „jungen“ Ansätzen keine Seltenheit und hilft bei deren Weiterentwicklung.

 

Quellen:

  • Institut für Handelsforschung Köln, Pressemitteilung: Nachhaltigkeit im Handel: Verbraucher fordern mehr Informationen – vor allem am PoS
  • KPMG AG, Consumer Markets. Trends im Handel 2020
  • TNS Emnid, Gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen
  • Schneider, A., Schmidpeter, R., Corporate Social Responsibility. Verantwortungsvolle Unternehmensführung in Theorie und Praxis
  • Moon, J., The contribution of corporate social responsibility to sustainable development, in: Sustainable Development
  • Bild: © Scott Lewis / Flikr.com

 

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